{"id":38,"date":"2011-08-07T04:56:12","date_gmt":"2011-08-07T04:56:12","guid":{"rendered":"http:\/\/das-s-wort.de\/?p=38"},"modified":"2012-02-14T14:35:39","modified_gmt":"2012-02-14T14:35:39","slug":"christina-schroder-mutterministerin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/das-s-wort.de\/?p=38","title":{"rendered":"Christina Schr\u00f6der, M\u00fctterministerin"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich ist Frau Schr\u00f6der ja Ministerin f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Eigentlich. Von Senioren und Jugendichen h\u00f6rt man jedoch grunds\u00e4tzlich recht wenig aus diesem Ministerium &#8211; wie wenig diese beiden Gruppen eine Rolle spielen, merkt man schon daran, dass man zwar umgangssprachlich gern mal von der &#8222;Familienministerin&#8220; oder &#8222;Frauenministerin&#8220; spricht, niemals aber von der &#8222;Seniorenministerin&#8220; oder &#8222;Jugendministerin&#8220;. Die einen stehen halt eh schon mit einem Bein im Grab, und die anderen sind keine niedlichen Kinderchen mehr, f\u00fcr deren &#8211; angebliche oder tats\u00e4chliche &#8211; Bed\u00fcrfnisse man sch\u00f6ne Reden schwingen kann, um sich mit dem Etikett der &#8222;Kinderfreundlichkeit&#8220; zu schm\u00fccken, sondern laut, launisch, r\u00fcpelhaft, irgendwie bedrohlich gar. Kinder d\u00fcrfen l\u00e4rmen, immer und \u00fcberall. Jugendliche nicht. Vor allem nicht mit Musik. Aber das nur am Rande.<\/p>\n<p>Viel \u00e4rgerlicher finde ich,\u00a0die ich unter all den Zust\u00e4ndigkeiten des BFSFJ nur unter die Kategorie F2 (Frauen) falle, dass es sich hierbei um einen Etikettenschwindel handelt. Um Frauen geht es diesem Ministerium nie. Nur um M\u00fctter und potentielle M\u00fctter. Nun sind zwar alle M\u00fctter Frauen, aber nicht alle Frauen M\u00fctter. Diese kleine, aber feine Unterscheidung jedoch scheint jenseits der geistigen F\u00e4higkeiten von Frau Schr\u00f6der zu liegen. Das demonstrierte sie zuletzt am 09.05.2011 in einem <a title=\"Interview mit der S\u00fcddeutschen Zeitung\" href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/familienministerin-schroeder-gewollt-kinderlos-das-sind-die-wenigsten-1.1094691\">Interview<\/a>\u00a0mit der S\u00fcddeutschen Zeitung.\u00a0&#8222;Gewollt kinderlos sind die wenigsten&#8220;, behauptet sie da. Und auch wenn man as kinderfreie Frau erleichtert aufatmet ob dieses Irrtums (denn wenn man uns f\u00fcr eine winzige Minderheit h\u00e4lt, wird unsere Entscheidung vielleicht nicht mehr so problematisiert), so sei doch kurz darauf hingewiesen, dass sich der Anteil der bundesdeutschen Bev\u00f6lkerung ohne Kinder (etwa 25%) zu mehr oder weniger gleichen Teilen aus ungewollt Kinderlosen und gewollt Kinderlosen, also Kinderfreien, zusammensetzt. Aber weiter im Text: Da Frau Schr\u00f6der es &#8222;unertr\u00e4glich&#8220; findet, wenn Kinderw\u00fcnsche am Geld scheitern, sollen die Krankenkassen die Kosten f\u00fcr k\u00fcnstliche Befruchtung wieder zu 100% \u00fcbernehmen, und zwar f\u00fcr vier Versuche, statt wie bisher nur zu 50% f\u00fcr drei Versuche. Eine Erweiterung des anspruchsberechtigten Personenkreises (bisher nur verheiratete Paare) etwa auf homosexuelle Lebenspartnerschaften oder auf unverheiratete Paare\u00a0 zieht Frau Schr\u00f6der allerdings nicht Erw\u00e4gung. Soweit geht das Mitgef\u00fchl mit den unfreiwillig Kinderlosen dann doch nicht, dass man derart verlotterte Lebensstile auch noch mit einer Erf\u00fcllung des Kinderwunsches belohnt&#8230; Gleiches gilt selbstverst\u00e4ndlich auch f\u00fcr Adoptionen, die Frau Schr\u00f6der ebenfalls erleichtern will. Nun habe ich zu den Themen k\u00fcnstliche Befruchtung und Adoption meine ganz eigene Meinung, doch darum geht es hier nicht. Was <em>ich <\/em>unertr\u00e4glich finde, liebe Frau Schr\u00f6der, ist vielmehr die Kaltschn\u00e4uzigkeit, mit der Sie in Ihrem Interview kinderfreie Frauen ausgrenzen und beleidigen, und zwar gleich mehrmals. Einmal bringen Sie Ihren Kummer dar\u00fcber zum Ausdruck, dass ungewollt kinderlose Paare nicht nur schwer unter ihrer Kinderlosigkeit leiden, sondern auch noch &#8222;ein zweites Mal schwer getroffen&#8220; werden, weil sie &#8222;schnell mit einem pauschalen Hedonismusvorwurf belegt werden&#8220;. Mit anderen Worten: der Hedonismusvorwurf an sich ist nicht falsch, wenn er kinderfreie Paare trifft, das Problem besteht nur darin, dass dabei versehentlich auch die ungewollt Kinderlosen unter die R\u00e4der kommen. Wirklich widerlich wird es dann im letzten Absatz: &#8222;Schr\u00f6der betont, sie wisse, dass damit nicht alle Probleme aus der Welt seien. Aber durch mehr Unterst\u00fctzung und eine intensivere Debatte dar\u00fcber\u00a0k\u00f6nne man der Diffamierung unfreiwillig kinderloser Paare etwas entgegensetzen.&#8220; Weil, wenn Kinder<em>freie<\/em> diffamiert werden, dann ist das schon okay so, die haben es schlie\u00dflich nicht anders gewollt. Da ist es dann ja streng genommen auch keine Diffamierung, sondern berechtigte Kritik. Das sieht Frau Schr\u00f6der jedenfalls so, und f\u00fcr den Fall, dass wir es immer noch nicht verstanden haben, werden wir im letzten Absatz noch einmal ausdr\u00fccklich darauf hingewiesen: &#8222;Erst vor kurzem habe ein Mann in einem Brief an sie erkl\u00e4rt, dass er keinen Respekt vor kinderlosen Frauen habe.&#8220; Daran findet Frau Schr\u00f6der grunds\u00e4tzlich nichts Falsches, was sie an dieser Aussage st\u00f6rt, ist einzig: &#8222;Als ich das las, stellte ich mir vor, wie das auf Frauen und M\u00e4nner wirkt, die seit Jahren verzweifelt um ein Kind k\u00e4mpfen.&#8220; Alles klar?<\/p>\n<p>Nun war Frau Schr\u00f6der ja hochschwanger, als sie dieses Interview gegeben hat, und man k\u00f6nnte getreu dem Motto &#8222;Im Zweifel f\u00fcr die Angeklagte&#8220; davon ausgehen, dass ihre Hormone verr\u00fcckt gespielt haben und ihr ein wenig die Denkf\u00e4higkeit vernebelt haben. Aber ich f\u00fcrchte, diese Ausrede z\u00e4hlt nicht. Ich f\u00fcrchte, die Frau meint das ernst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich ist Frau Schr\u00f6der ja Ministerin f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Eigentlich. 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