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Christina Schröder, Mütterministerin

Eigentlich ist Frau Schröder ja Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Eigentlich. Von Senioren und Jugendichen hört man jedoch grundsätzlich recht wenig aus diesem Ministerium – wie wenig diese beiden Gruppen eine Rolle spielen, merkt man schon daran, dass man zwar umgangssprachlich gern mal von der „Familienministerin“ oder „Frauenministerin“ spricht, niemals aber von der „Seniorenministerin“ oder „Jugendministerin“. Die einen stehen halt eh schon mit einem Bein im Grab, und die anderen sind keine niedlichen Kinderchen mehr, für deren – angebliche oder tatsächliche – Bedürfnisse man schöne Reden schwingen kann, um sich mit dem Etikett der „Kinderfreundlichkeit“ zu schmücken, sondern laut, launisch, rüpelhaft, irgendwie bedrohlich gar. Kinder dürfen lärmen, immer und überall. Jugendliche nicht. Vor allem nicht mit Musik. Aber das nur am Rande.

Viel ärgerlicher finde ich, die ich unter all den Zuständigkeiten des BFSFJ nur unter die Kategorie F2 (Frauen) falle, dass es sich hierbei um einen Etikettenschwindel handelt. Um Frauen geht es diesem Ministerium nie. Nur um Mütter und potentielle Mütter. Nun sind zwar alle Mütter Frauen, aber nicht alle Frauen Mütter. Diese kleine, aber feine Unterscheidung jedoch scheint jenseits der geistigen Fähigkeiten von Frau Schröder zu liegen. Das demonstrierte sie zuletzt am 09.05.2011 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. „Gewollt kinderlos sind die wenigsten“, behauptet sie da. Und auch wenn man as kinderfreie Frau erleichtert aufatmet ob dieses Irrtums (denn wenn man uns für eine winzige Minderheit hält, wird unsere Entscheidung vielleicht nicht mehr so problematisiert), so sei doch kurz darauf hingewiesen, dass sich der Anteil der bundesdeutschen Bevölkerung ohne Kinder (etwa 25%) zu mehr oder weniger gleichen Teilen aus ungewollt Kinderlosen und gewollt Kinderlosen, also Kinderfreien, zusammensetzt. Aber weiter im Text: Da Frau Schröder es „unerträglich“ findet, wenn Kinderwünsche am Geld scheitern, sollen die Krankenkassen die Kosten für künstliche Befruchtung wieder zu 100% übernehmen, und zwar für vier Versuche, statt wie bisher nur zu 50% für drei Versuche. Eine Erweiterung des anspruchsberechtigten Personenkreises (bisher nur verheiratete Paare) etwa auf homosexuelle Lebenspartnerschaften oder auf unverheiratete Paare  zieht Frau Schröder allerdings nicht Erwägung. Soweit geht das Mitgefühl mit den unfreiwillig Kinderlosen dann doch nicht, dass man derart verlotterte Lebensstile auch noch mit einer Erfüllung des Kinderwunsches belohnt… Gleiches gilt selbstverständlich auch für Adoptionen, die Frau Schröder ebenfalls erleichtern will. Nun habe ich zu den Themen künstliche Befruchtung und Adoption meine ganz eigene Meinung, doch darum geht es hier nicht. Was ich unerträglich finde, liebe Frau Schröder, ist vielmehr die Kaltschnäuzigkeit, mit der Sie in Ihrem Interview kinderfreie Frauen ausgrenzen und beleidigen, und zwar gleich mehrmals. Einmal bringen Sie Ihren Kummer darüber zum Ausdruck, dass ungewollt kinderlose Paare nicht nur schwer unter ihrer Kinderlosigkeit leiden, sondern auch noch „ein zweites Mal schwer getroffen“ werden, weil sie „schnell mit einem pauschalen Hedonismusvorwurf belegt werden“. Mit anderen Worten: der Hedonismusvorwurf an sich ist nicht falsch, wenn er kinderfreie Paare trifft, das Problem besteht nur darin, dass dabei versehentlich auch die ungewollt Kinderlosen unter die Räder kommen. Wirklich widerlich wird es dann im letzten Absatz: „Schröder betont, sie wisse, dass damit nicht alle Probleme aus der Welt seien. Aber durch mehr Unterstützung und eine intensivere Debatte darüber könne man der Diffamierung unfreiwillig kinderloser Paare etwas entgegensetzen.“ Weil, wenn Kinderfreie diffamiert werden, dann ist das schon okay so, die haben es schließlich nicht anders gewollt. Da ist es dann ja streng genommen auch keine Diffamierung, sondern berechtigte Kritik. Das sieht Frau Schröder jedenfalls so, und für den Fall, dass wir es immer noch nicht verstanden haben, werden wir im letzten Absatz noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen: „Erst vor kurzem habe ein Mann in einem Brief an sie erklärt, dass er keinen Respekt vor kinderlosen Frauen habe.“ Daran findet Frau Schröder grundsätzlich nichts Falsches, was sie an dieser Aussage stört, ist einzig: „Als ich das las, stellte ich mir vor, wie das auf Frauen und Männer wirkt, die seit Jahren verzweifelt um ein Kind kämpfen.“ Alles klar?

Nun war Frau Schröder ja hochschwanger, als sie dieses Interview gegeben hat, und man könnte getreu dem Motto „Im Zweifel für die Angeklagte“ davon ausgehen, dass ihre Hormone verrückt gespielt haben und ihr ein wenig die Denkfähigkeit vernebelt haben. Aber ich fürchte, diese Ausrede zählt nicht. Ich fürchte, die Frau meint das ernst.

Was heißt eigentlich „Kinderfrei“?

Diese Frage wird mir immer wieder gestellt, wenn ich von meinem Buch erzähle. Entwickelt hat sich der Begriff in der englischen Sprache. Menschen ohne Kinder und vor allem ohne Kinderwunsch haben den Begriff childfree (kinderfrei) anstelle von childless (kinderlos) gesetzt, um auszudrücken, dass sie nicht less sind, dass ihnen also nichts fehlt und sie auch keine Mangelwesen sind, sondern vielmehr frei von etwas, nach dem sie kein Bedürfnis verspüren. Gleichzeitig spielt das Wort darauf an, dass eine freie Entscheidung getroffen wurde. Childless sind dagegen Personen, die sich Kinder wünschen, aber(noch) keine haben oder keine haben können. Natürlich können die Übergänge fließend sein – manchmal ist man unentschlossen und entscheidet sich irgendwann in die eine oder andere Richtung. Oft entscheiden auch die Umstände für einen.

Diese begriffliche Unterscheidung funktioniert auch im Deutschen. Denn auch bei uns drückt „-los“ einen Mangel an etwas aus, das man sich wünscht oder eigentlich haben sollte: arbeitslos, chancenlos, hoffnungslos. Kinderlos. Und „freiwillig kinderlos“ klingt ein wenig nach Verzicht. Was wir aber eigentlich sind, ist frei von Kindern. Eben „kinderfrei“.

 

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Happy birthday Kinderfrei

Heute vor einem Monat, am 07. Juli 2011, ist das Buch erschienen. Und schon entwickelt es sich prächtig. Das Medieninteresse ist erfreulich groß; meinen ersten Radioauftritt (der gleichzeitig im Fernsehen übertragen wurde), habe ich bereits absolviert, weitere sind schon geplant. Besonders freut mich, dass das Buch bei den Lesern gut ankommt – nicht nur bei der eigentlichen Zielgruppe, den Kinderfreien, sondern auch bei Eltern. Am schönsten war jedoch bisher die Reaktion eines Lesers. „Wissen Sie“, sagte er, „ich habe ja manchmal schon fast so etwas wie ein schlechtes Gewissen, weil ich keine Kinder habe, ich frage mich, ob ich nicht doch etwas wesentliches versäume. Darum war Ihr Buch eine richtige Befreiung für mich.“ Da wird mir ganz warm um mein schwarzes Autorenherz. Darum: Happy birthday, Kinderfrei!

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Kinderfrei – das Buch

 „Kinderfrei – oder warum Menschen ohne Nachwuchs keine Sozialschmarotzer sind“

von Nicole Huber

erschienen im Juli 2011 bei Herbig

 

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